Montag, 9. Juni 2014

My GeekWeek 23

Ich versuche um der Regelmäßigkeit halber eine neue Postserie, die die Ergebnisse der vergangenen Woche aus meiner ureigenen Perspektive zusammenfasst. Starten wir mit einer sehr ereignisreichen Woche, die durch die WWDC von Apple dominiert wurde.

WWDC

Die Keynote und die anschließende Präsentation "The Status of the Platform" waren die Highlights der Woche. Die Ankündigungen für Entwickler sind atemberaubend. Swift ist die Erlösung aus meiner ganz persönlichen Objektive C Hölle. Klar ich habe etliche native iOS Apps geschrieben, aber ich bin nie mit Objektive C warm geworden. Und jetzt kommt Swift, das aussieht wie eine Mischung auf Groovy und Ruby und definitiv ein großer Wurf ist. Die Experimente in X-Code 6 Beta sind absolut begeisternd, das iBook zur Sprache habe ich schon zu 2/3 verschlungen.

Ein anderes Highlight und meines Erachtens viel wichtiger als neue Hardware ist Continuity. Mit Continuity werden die einzelnen Devices, die alle ihren eigenen lebensweltlichen Bezug haben, vereint zu einer Plattform. Das ist viel, viel wichtiger und nützlicher als etwa die Totgeburt Surface, die keiner kaufen will, weil sie ein Bedürfnis befriedigen will, das es gar nicht gibt. Ich will entweder mit einem Tablett oder einem Notebook arbeiten und hier hat Apple die Nase so wie vorne, dass für mich das Rennen um die künftige Plattform entschieden ist. Google könnte höchstens mit Chrome oder Android auf dem Desktop etwas dagegen setzen - aber das ist schon sehr kühn. Das will nämlich auch niemand.

Einzig ärgerlich an der WWDC war wieder einmal die Berichterstattung der nach neuen Geräten geifernden Journalistenmeute. Die verstehen einfach nicht, dass Innovation auch softwaregetrieben sein kann. Das hat mich so sehr geärgert, dass ich bis dato meinen ersten Kommentar auf FAZ.NET geschrieben habe, weil der Schreiber einfach umschulen sollte.

Groovy & Grails

Ein ganz anderer "Hammer" kommt aus dem Groovy & Grails Lager, das es erstmals experimentell ermöglicht Android mit Groovy zu entwickeln. Die Analogie zu Swift ist hier gut getroffen. Groovy Commiter Cédric Chapeau beschriebt hier sehr gut, wie und wann es zur Android-Entwicklung mit Groovy kommen mag.

JavaScript / ExtJS

Anlässlich eines Vortrags von mir auf RheinMainJS, der JavaScript Usergruppe RheinMain, über Sencha ExtJS ist mir mal wieder klar geworden wie großartig das Toolkit ist, auch wenn wir nie richtig Freundschaft geschlossen haben. Diese Woche erschien die finale ExtJS 5 Version, die sehr aufgeräumt wirkt und wieder füll of awesomeness ist. Wer Single-Page-Business-Apps schreibt wird schlechterdings etwas besseres finden. Wenn man lange genug sucht findet man auch wieder Hinweise zu einer GPL3 Version...

Fazit

Eine rundum begeisternde Woche. Jetzt kann die Sommerpause zum Reifen kommen und zum Herbst sind alle die Ankündigungen final und wir können die ersten Produkte mit den neuen Technologien ausliefern.

Happy Coding

Reto

Dienstag, 6. Mai 2014

Ubuntu Linux auf dem Lenovo Yoga Pro 2

An sich für Windows Phone Entwicklung angeschafft, liegen noch viel zu viel der 512 GB SSD auf dem schicken Yoga Pro 2 brach. Und dann kommt einem abends in den Sinn, wie sich denn Linux als Desktop OS mittlerweile schlägt. Völlig zufrieden mit OS X ein wenig irritiert von Windows 8 und gelangweilt von Windows 7 ist da noch eine Lücke, die den Technik-Nerd anspricht.

Also schnell die Ubuntu Distribution -- hier 14.04. -- auf den USB Stick gespielt und ein paar Änderungen am BIOS vorgenommen (insbesondere ist der Secure Boot zu disablen) und gebootet.

Und siehe da alles geht ganz leicht und mit nur relativ wenig Linuxtypischen Eingriffen kommt man in den Genuss des HiDPI Displays, das den Ubuntu Desktop bestechend scharf auf das Display wirft. Touch geht auch auf Anhieb, nur beim WLAN muss man mit einer Zeile auf der Shell nachhelfen und auch das läuft:

sudo rmmod ideapad_laptop

Es ist erstaunlich wie schnell und wie gut sich ein aktuelles Linux als Desktop nutzen lässt. Lediglich bei der Installation auf der Festplatte fällt mir auf, dass ich mein letztes Desktop-Linux auch schon vor acht Jahren installiert habe, denn es gibt keinen automatischen oder visuellen Partitionierer, man muss durch eine Eigenart von Windows 8.1, die eine Erkennung durch Ubuntu verhindert, die Partitionen selbst anlegen. Den Gedanken verdrängend, was passieren könnte, wenn mein Wissen von damals verblasst ist und es schief geht, folge ich der Devise: Tue es! Und siehe alles wird gut.

Grub wird installiert und ab sofort befinden sich Windows 8.1 und Ubuntu 14.04 gleichberechtigt auf dem Yoga Pro 2. => Und er hat gar nicht gebohrt :)

Das soll jetzt keine Empfehlung für den absoluten Linux Laien sein, sich eine Anleitung zu suchen und einfach loszulegen. Auch wenn mein letztes Desktop Linux Jahre her ist und ich den Komfort aus Unix und GUI in Form von OS X goutiere, ich habe nicht täglich aber doch recht oft mit Linux auf Servern zu tun. Von daher wird man immer noch ein wenig brauchen, um Linux als Desktop OS zu installieren. Oder aber einfach eine etwas ältere Hardware nehmen, die wird dann meistens sonst vollständig unterstützt von den aktuellen Distributionen, die auf den Desktop zielen.

Eine Kleinigkeit, die aber dennoch ärgerlich ist, habe ich bislang nicht lösen können und das ist das Funktionieren des Hibernate- oder Schlafmodus. Hier springt Ubuntu immer wieder ins Wachsein zurück und verabschiedet sich von Zeit zu Zeit auch mit Anzeigeproblemen.

Dennoch ein für mich gelungenes Experiment, weil manche Dinge wirklich nur stabil unter Linux machbar sind und Ubuntu für Entwickler im Besonderen ein angenehmes und komfortables System ist.

Freitag, 18. April 2014

Adieu Wordpress

Nach Jahren der treuen Nutzung von Wordpress für Blogs und kleinere Webseiten für eigene Projekte oder die von Freunden verabschiede ich mich von Wordpress.

Die ständige Updaterei ist nervtötend. Ich will nicht all zwei Wochen ein System pflegen in das ich maximal in der gleichen Frequenz etwas poste - das ist lame!

Von daher nun eine logische Konsequenz: Mein privates Blog und mein Spieleblog wird ab sofort bei Google gehostet und meine Firmenpräsenz der Screenion GmbH wurde ein One-Pager ohne CMS.

Das erhebt einen zwar nicht von der Pflicht nicht völlig die Augen zu zumachen, was seine Inhalte im Web tun, aber es ist deutlich bequemer.

Montag, 16. September 2013

Minutenmorde.de - Kurze Krimis für Zwischendurch

Hinter dieser - auf den ersten Blick etwas eigentümlichen Domain - verbirgt sich mein neuestes Projekt, mit dem ich gemeinsam mit dem Dryas Verlag, meiner Gründerlust nachgehe.

Minutenmorde.de ist ein Shop für Krimi-Kurzgeschichten, aber gleichzeitig auch ein virtueller Verlag. Autoren schreiben auf der Plattform, eine Jury wählt dort die Einreichungen aus, Korrektoren korrigieren auf der Plattform und die Editoren veröffentlichen letztlich die Geschichten - ohne je die Plattform zu verlassen, und: alle Beteiligten erhalten selbstverständlich ein Honorar.

Und der Leser?

Der erhält drei Kurzgeschichten nach der Registrierung kostenlos und kann sich dann in dem stetig größer werdenden Fundus an Kurzkrimis bedienen und seine Einkäufe einfach per PayPal bezahlen. Gelesen wird am PC, am Tablet oder Smartphone. Im nächsten Release Ende Oktober wird dann auch das Senden an den Kindle möglich sein, um dort seine Krimis auch offline lesen zu können. Je nach Feedback kommen auch native Apps - momentan sind es angepasste Webseiten, die den Lesespaß auf den mobilen Geräten ermöglichen.

Ich habe die vergangenen eineinhalb Jahre einige Projekte in der Buchbranche gemacht, meistens beratend oder schulend und Minutenmorde.de ist ein Versuch, in einer sich extrem wandelnden Branche, etwas auszuprobieren.

Ich wünsche mir, dass das Experiment gelingt und lade meine Blogleser ein, sich die Minutenmorde.de einmal anzusehen.

Sonntag, 2. Juni 2013

Stiftungsdozentur Forum Zukunft

Ich habe dieses Jahr die Ehre, die Stiftungsdozentur des Forum Zukunft im Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. in Mainz zu halten. Aus dem offiziellen Text:

"Im Rahmen einer von protoTYPE finanzierten Stiftungsdozentur bieten ausgewählte Experten aus der Branche unter dem Motto „protoTYPE goes Campus“ Seminare an sechs Hochschulen an. Dadurch sollen Studierende von Medien-Studiengängen befähigt und ermutigt werden, selbst innovative Geschäftskonzepte zu entwickeln. Die Initiative spricht künftige Fach- und Führungskräfte in Buchverlagen an, die im Bereich digitaler Anwendungen eine hohe Medienkompetenz mitbringen. Die unternehmerisch geprägte Herangehensweise eröffnet den Studierenden zusätzliche Perspektiven, von denen auch ihre späteren Arbeitgeber profitieren.

Für die Hochschulen und Universitäten ergänzen die protoTYPE-Seminare das Lehrangebot. „Die Unternehmerpersönlichkeiten aus der Verlagsbranche transportieren das Thema Innovation sehr glaubwürdig. Unsere Studierenden können ihre Kenntnisse aus den Bereichen strategisches Marketing, Medienkonzeption und Geschäftsmodelle in den protoTYPE-Seminaren ideal in konkreten Szenarien anwenden“, berichtet Prof. Dr. Okke Schlüter vom Studiengang Mediapublishing an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart. Schlüter hatte bereits in 2012 ein protoTYPE-Seminar an die HdM geholt und das Seminar begleitet. „Wir sind dem Forum Zukunft im Börsenverein dankbar für diese Unterstützung und freuen uns, damit umgekehrt auch der Branche etwas zurückgeben zu können – nämlich innovative Geschäftsideen“.
Dr. Harald Henzler (smart digits), Martin Fröhlich (PaperC), Reto Kiefer (Screenion GmbH) und Michael Dreusicke (Paux) sind Experten, die protoTYPE von Anfang an begleitet haben. Die Seminare finden auch dieses Jahr wieder im Sommersemester statt, die Ergebnisse werden auf der Frankfurter Buchmesse 2013 präsentiert. Dabei soll das Fachpublikum die Möglichkeit erhalten, passende Ideen in ihrem Unternehmen umzusetzen und am Markt zu einer echten Innovation werden zu lassen. Der Börsenverein fördert damit einen Know-how-Transfer von Hochschulen in Unternehmen, der in den USA Keimzelle vieler erfolgreicher Innovationen ist."

Meine Veranstaltung, die ich zusammen mit Herrn Prof. Bläsi von der Universität Mainz halte, wird folgende Ausrichtung haben:

"Der Umbruch, den die Buchbranche gegenwärtig bewältigen muss, ist zu einem guten Teil technologiegetrieben. Die Digitalisierung der Bücher verbunden mit der großen und weiter zunehmenden Verbreitung von mobilen Endgeräten, dem unaufhaltsamen Trend zum "Mobile Computing" sind die neuen Herausforderungen, die zu denen hinzu kommen, die das Web in all seinen Erscheinungsformen schon seit über 15 Jahren an die Buchbranche stellt.

Wir wollen in der Blockveranstaltung daran arbeiten, diese Entwicklung nicht nur als Bedrohung des Status quo aufzufassen, sondern sie gleichermaßen als Chance zu sehen, neue Ideen zu entwickeln und deren Plausibilität und Erfolgsaussichten zu bewerten.
Nutzen wir die Möglichkeiten, die sich aus der Kombination von Branchenaffinität und -wissen auf der einen und Erfahrung im Bereich E-Commerce und Mobile Markets auf der anderen Seite ergeben für ein praxisorientiertes Brainstorming über das, was der Branche helfen könnte, die mobile Herausforderung besser zu bestehen."

Freitag, 24. August 2012

rheinmain.js - JavaScript UserGroup reloaded

Auf dem 2. Karlsruher BarCamp kam die Sprache unter anderem mit Mattsches und Ali Pasha darauf, dass es im Rhein-Main Gebiet schon seit langem kein Community Treffen  mit Themen rund um JavaScript existiert.

Man kann zu JavaScript stehen wie man will, man kommt im Frontend kaum daran vorbei und auch serverseitig gewinnt es an Momentum. Ich persönlich mag JavaScript überhaupt nicht, so lange ich es schreiben muss, ich lasse es lieber von GWT oder Vaadin generieren. Aber auch ich komme um den einen oder anderen Schnipsel (meistens dann doch mehr) jQuery nicht herum.

Die JavaScript UserGroup Wiesbaden - mit Anspruch, das gesamte Rhein-Main Gebiet zu erobern - tritt an mit einem ersten Event / Treffen am 3.9. um 19 Uhr im Konferenzraum unseres Location Sponsors: Die Firma.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen. Wir haben jedoch nur 13 freie Plätze, die Reihenfolge der Anmeldung auf der Eventseite entscheidet über den Einlass. Es hat sich bewährt, dass wir nach einem Warm-up zwei Fachvorträge plus Fragen und Antworten hören werden und anschließend noch in ein Lokal gehen, um uns zwanglos zu unterhalten und zu vernetzen.

Alle weiteren Informationen auf der Eventseite oder auf der Google+ Seite von rheinmain.js.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Status Quo: Rich Internet Applications (RIA)

Kann sich noch jemand an RIAs erinnern?

Jene, primär von Adobe beschworene Gattung von Software, die es erlaubt reichhaltige Erfahrungen mit dem Komfort einer Desktop-Anwendung im Browser zu machen. Der Protagonist hiess seinerzeit Adobe Flex. Adobe Flex ist zusammen mit dem Flash Player Mobile beerdigt worden. Im Unterschied zum Flashplayer Mobile hat Flex aber bei der Apache Foundation immerhin ein Begräbnis erster Klasse bekommen. Mit Chancen auf Wiederauferstehung als Apache Flex - aber das hängt von zu vielem ab. Vor allem davon wie viele Entwickler sich finden, für eine halbtote Technologie zu programmieren, sobald Adobe erstmal seine bezahlten Entwickler vom Projekt in zwei oder drei Jahren abzieht. Jedenfalls sehe ich die Zukunft von Flex so ungünstig, dass ich meiner einstigen Vorzugstechnologie keine Chancen mehr geben werde - nicht zuletzt auch weil das Wohl und der Verderb der Technologie am Flash Player hängt, der meine Erachtens auch schon am Anfang vom Ende seines Lebenszyklus steht.

Aber was ist  aus diesem vielversprechenden Ansatz  RIA geworden?

Er wird weiterverfolgt, zumeist in Gestalt irgendwelcher Java-Script und HTML5 Frameworks, wie etwa ExtJs oder Dojo, die eine ähnliche Funktionalität wie Flex aber eben mit den Krücken der Webstandards anbieten. Ein ausführlicher Vergleich zwischen diesen Frameworks und ihren zumeist nicht gehaltenen Versprechungen wird aus gegebenem Anlass hier demnächst noch folgen.

Auch das SPA-Paradigma (Single Page Application), wie es aktuell im Mobile Sektor vorherrscht ist auch nur die Wiederkehr des ursprünglichen RIA Ansatzes. Alles, was es heute gibt hätte man auch mit Flex haben können - nur eben nicht frei und "open". Natürlich gibt es noch eine Unmenge weiterer Ansätze, aber wer hat sich aus der Webentwickler-Ecke (und da dürften die meisten meiner Leser herstammen) schon mal mit Canoos ULC, Googles Webtoolkit oder dem darauf basierenden Vaadin beschäftigt? (Vaadin erscheint hier demnächst auch nochmals als gesonderter Post, weil es eine angenehm sympathische Hybrid-Stellung innehat: JavaScript - JavaScript + Java).

Wieder nennen will ich hier aber explizit - vor allem auch weil es eine Technologie ist, die hervorragend auch außerhalb des Browsers läuft - JavaFX 2. Sollte Oracle es hinbekommen, JavaFX auch auf iOS und Android lauffähig zu bekommen, wäre er wieder da, der Cross-Plattform Ansatz. (Ja klar, es gibt PhoneGap und Appcelerator, aber ich habe es schon mehrfach gesagt: Ich will kein JavaScript programmieren, wenn ich Anwendungsoberflächen erstelle.) Die Vorzüge von JavaFX ggb. anderen Technologien liegen schon im Namen offen zutage: Sprache, Libraries, Tooling, Konsistenz und Performance, etc. Und JavaFX 2 läuft via Webstart natürlich auch im Browser - zwar mit Java Plug-in aber immerhin.

Es könnte sein, dass mit JavaFX 2 noch einmal ein Bewerber antritt, der das RIA-Konzept durchhält und ihm in Nischen zum Erfolg verhilft. Der Rest der Welt wird sich dann vermutlich mit hakeligen JavaScript Anwendungen die Zeit vertreiben. Man muss kein Freund von Flash sein, um zu verstehen, dass Flex eine coole Software war - es wäre schön, wenn nun ein würdiger Nachfolger die Bühne betritt.