Die Einfallslosigkeit deutscher Verleger im Tablet-Bereich

Ein Hinweis zu diesem Blogpost vorab. Er beruht nicht auf einer Studie oder einer groß angelegten Suche, aber er schildert die frustrierenden Erlebnisse, gut gemachte iPad Apps für Zeitungen aufzutun – wohl gemerkt, wenn man sein Geld loswerden will. Um kostenlos soll es hier gar nicht gehen.

Content is king? Diese Binsenweisheit war immer nur bedingt richtig. Das Layout und die Aufmachung einer Print-Publikation war auch immer wichtig. Genau so ist es mit den Web-Versionen der Zeitungen und so sollte es auch sein mit den Tablet-Angeboten.

Nur was bekommt man als technikaffiner Leser kredenzt? Einheitsbrei ohne jegliche Innovationskraft – kommt einem hierzulande ja beinahe schon normal vor. Während das Angebot von Spiegel Online nur noch mittelmäßiger Fastfood Journalismus ist, für den es gar nicht mehr lohnt, eine App aufzuspielen, war ich auf das Angebot der Zeit und der FAZ gespannt.

Ich schätze an der Zeit die Perspektive mit dem Raum einer Woche, den Stil und den Anspruch. Die iPad App ist jedoch eine reine Enttäuschung. Man kann sich lediglich aussuchen, ob man den für die Printversion formatieren Content angezeigt bekommt oder eine reine Text Version. 1990 vs. 2000, aber wird schon mehr als ein ganzes Jahrzehnt weiter liebe Zeit. Und die unbedienbare Navigation durch die Rubriken und Artikel unterstreicht die Rückständigkeit nur noch. Dass es anders gehen kann, zeigt die Zeit mit der sehr schön gestalteten Version des Online-Auftritts für das iPad.

Die FAZ iPAd App ist auch mehr oder minder ein dynamischer Viewer, um sich eine Zeitungsseite auf einem Tablet anzusehen  – mit dem verqueren Ansatz wirbt die FAZ sogar noch?!? Auch Preisgestaltung bei der FAZ ist so eine Sache. Für € 1,59 bekomme ich entweder eine Onlineausgabe der FAZ oder eine Woche das Wallstreet Journal. Noch Fragen?

Eine noch herbere Enttäuschung ist die iPad Ausgabe des heise Verlags der neuen Zeitschrift „Mac & I“. Warum der führende Verlag im deutschen IT-Anspruchsjournalismus einen besseren (oder eher schlechteren) PDF Reader seinen Kunden als App vormacht ist völlig unverständlich. Gerade vom Marktführer kann man mehr erwarten als alten Wein in nur neu aussehenden Schläuchen.

Letztlich war mein Gang durch die Angebote der iPad Versionen der Zeitungen in der Summe die reine Frustration. Ich zahle sehr gerne für Informationen – für gut gemachte und aufgemachte auch gerne etwas mehr, aber das deutsche Angebot ist aktuell das Geld nicht wert. Die Haptik toten Holzes ist in Deutschland noch eindrücklicher als geschickt aufgemachte Apps, die die Informationen dem neuen Medium gerecht aufbereiten.

Letztlich habe ich die iPad und Onlineversion des Wall Street Journals abonniert. Gute Apps, ein erfrischender Blick von außerhalb Deutschlands und Europas und nette Bonusanwendungen aus dem Bereich Börse und Finance, die in den redaktionellen Teil verlinkt sind. Ein gutes Investment wie ich meine. Wer eine ähnlich gute App ausprobieren will, der schaue sich die neue Guardian iPad App an, die die nächsten 70 Ausgaben kostenlos sein wird und recht innovativ ist.

Für die Zeit lasse ich mein Print-Abo auslaufen und werde sie online bei Bedarf kaufen. Zum einen ist die Zeit nicht ohne weiteres substituierbar und zum anderen besteht die Hoffnung, dass bei der App noch nachgebessert wird. Von der FAZ würde ich mir auch etwas mehr innovative Kraft, eine Leidenschaft für das Medium iPad / Tablet und eine realistischere Preisgestaltung wünschen.

Als persönliches Fazit erlaube ich mir festzuhalten, dass die Verlage durch den Medienwechseln keine Angst haben müssen, dass niemand mehr den Content kaufen würde. Wenn Form und Gestalt dem Medium angemessen sind und vielleicht sogar noch einen Mehrwert bieten, finden sich sicher auch Käufer für den Inhalt. Aber wie so oft in Deutschland sind wir beim stark verzögerten „Imitate“ (wenn überhaupt) statt bei einem progressiven „Innovate“ – schade.

6 Responses to Die Einfallslosigkeit deutscher Verleger im Tablet-Bereich

  1. Reto Kiefer 18. April 2014 at 10:06 #

    Ich lese sowohl das kostenpflichtige Java Magazin auf dem iPad als auch das kostenlose von Oracle. Das deutsche Magazin ist mal mehr als nur ein PDF Viewer.

    Beim Oracle Magazin merkt man schnell, was für Oracle hot ist und waht's not – nicht zu unterschätzen. Und die Artikel sind lesenswert.

    Auf Papier / PDF würde ich beides ungern lesen aber auf dem Medium ist es top.

    Aber Robert hat recht, für Kurznachrichten Twitter oder klassische Aggregratoren (oder wer es schick will Google Currents).

  2. Robert Reiz 18. April 2014 at 10:06 #

    Interessanter Artikel. Ich bin mittlerweile von den üblichen Magazinen weg gegangen. In der Regel stelle ich mir eine News in Twitter als Channel zusammen.

    Aber was haltet ihr eigentlich von der iPad App des Java Magazines?

  3. Nur 18. April 2014 at 10:06 #

    Bei telefonischen Beratungen berdaf es auch einer klaren Aussage des Anbieters und der direkt beratenden Person sowie der miteinbezogenen Personen fcber die Behandlung der erfragten individuellen Patienten-Daten bzw. deren eventuelle Nutzung ffcr andere Zwecke als die der unmittelbaren, individuellen Beratung!

  4. Valerie 18. April 2014 at 10:06 #

    Unter dem Titel And the winner is IMUREK habe ich soeebn meine eigenen leidvollen Erfahrungen notiert und stodfe soeebn bei meiner Recherche auf diesen Artikel.Ich bin auch ein Opfer dieser Rabattvertre4ge geworden. Allein fehlt mir der Glaube, dass Appelle des Bundesrates an der zur Zeit verwendeten Praxis etwas e4ndern.Patientenrechte? nach dem heutigen Gespre4ch mit meiner KK mit Ffcdfen getreten.- Leider –

  5. […] mit einem der Führenden Online-Medium der USA gleichzusetzen, zeugt entweder von Angst, Unwissen oder von fast unglaublicher Arroganz. Bookmark auf Delicious Digg den Beitrag Auf Facebook teilen […]

  6. Manuel 18. April 2014 at 10:06 #

    Ich stimme Dir zu, Reto.
    Auch ich habe Die ZEIT abonniert und auch ich werde mein Print-Abonnement auslaufen lassen. Ich wäre gerne auf das Kindle-Abonnement "gewechselt", was leider nicht unterstützt wird…

    Nach Ende des Print-Abos werde ich sicher die verschiedenen Möglichkeiten wie Kindle-Abo, iPad-App oder einfach auch der wöchentliche Gang zum Kiosk austesten.

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