Am vergangenen Wochenende war wieder einmal die Froscon, eine Konferenz rund um freie Software. Rund 1.400 Geeks und Software-Enthusiasten waren in St. Augustin zusammen gekommen, um sich zu treffen, Vorträgen zu lauschen oder “ihr” Projekt vorzustellen. Und es war eine tolle Konferenz, die Vorträge und Keynotes hochwertig und es war genug Raum, dass sich die einzelnen Open Source Projekte vorstellen konnten.
Der Eintritt beträgt nur 5 Euro – ein Großteil der Kosten wird über Sponsoren abgedeckt. Jedoch kostet es sehr viel Zeit, Arbeit und auch Geld, um so eine Konferenz vorzubereiten und durchzuführen. Mann kann bei gesundem Menschenverstand davon ausgehen, dass jeder Euro zählt und wichtig ist.
Auch aus diesem Grund haben die Veranstalter diesmal ein so genanntes Business Ticket angeboten, dass den Eintritt zur Konferenz mit 100 Euro ermöglichte. Der einzige Unterschied zu einem normalen Ticket ist, dass man eine Rechnung zugeschickt bekommt, was die Kosten steuerlich absetzbar macht. Mehr bekommt man nicht – man bekommt aber die Gelegenheit, die Froscon auf einfache Weise finanziell zu unterstützen. Eine einfach Anerkennung für die Arbeit und die Eröffnung der Chance, dass wir auch in Zukunft solche gelungenen Konferenzen in Deutschland haben werden.
Jetzt weiss ich aus verlässlicher Quelle, dass von den rund 1.400 Teilnehmern gerade einmal acht das teure Ticket genommen haben – was ich für Armutszeichen sondergleichen der Szene sehe. Es geht mir hier nicht um die ehrenamtlichen Helfer, Studenten und Schüler und auch nicht um die Enthusiasten, die ihr Wochenende opfern um ihr Open Source Projekt an Ständen vorzustellen. Sondern es geht mir um die vielen Administratoren, Entwickler, Techniker, Projektleiter, Manager und Geschäftsführer, die sich hier informieren und weiterbilden können, aber nicht einmal in der Lage sind, 100 Euro aufzubringen – weil man das gleiche ja auch für ein 20stel bekommt.
Hallo! Leute? Ihr verdient Euren Lebensunterhalt und meistens sogar mehr als das mit Open Source und lebt vom Enthusiasmus einiger weniger und dann nur acht Teilnehmer, die das teure Ticket gewählt haben? Das darf an sich nicht sein. Die Formel Frei (wie in Bier) = Kostenlos = Geiz darf nicht aufgehen!




7 Comments
Axel Jung
24. August 2009Gut gebrüllt :-)
Ich stimme dem zu. Besonders die Agenturen verdienen so viel an den Projekten.
Das Ticket System klingt aber etwas seltsam. Eine Spende wäre doch passender und auch absetzbar.
Walter Krog
25. August 2009Neben der (fragwürdigen, da) moralischen Empörung ist das vielleicht mit dem Armutszeugniss wörtlich genommen gar nicht so verkehrt. Es könnte auch einfach zeigen, dass viele Leute nicht mehr so viel Kohle haben.
Ansonsten steht es jedem frei die Konferenz als auch die dortigen Projekte zu unterstützen. Nach seinen Mitteln und Möglichkeiten.
Nils Hitze (kojote) 's status on Tuesday, 25-Aug-09 14:51:07 UTC - Identi.ca
25. August 2009[...] http://www.retokiefer.com/archives/open-source-frei-kostenlos-geiz/ [...]
Nils Hitze
25. August 2009Nein Walter, das kann ich so nicht stehen lassen deinen Kommentar.
Als Veranstalter einer ganzen Reihe techn. Events unter anderem dem BarCamp München und dem CloudCamp finde ich die Mentalität vieler Arbeitgeber (nicht der Admins selber) zum Kotzen das alles möglichst ForFree sein soll.
Das Event ist am Wochenende, die Admins bilden sich weiter, finden evtl. sogar Software die der Firma Geld sparen hilft und ausgeben wollen sie natürlich trotzdem nichts, obwohl das sogar steuerlich absetzbar wäre.
Lies dazu mal bei Oliver zum Thema BarCamps:
http://blog.oliver-gassner.de/archives/3784-BarCamp-Vergangenheit,-Gegenwart-und-Zukunft.html
Und wenn du in einer Firma ankommst und meinst: Hey wir sollten das Projekt mal finanziell unterstützen da wir die Software schon ewig nutzen, was glaubst du wie laut der Lachanfall ist wenn du nicht gerade bei Sun arbeitest?
Christian Louis
26. August 2009Hallo Reto,
Es waren 9 Business-Tickets ;)
Was man vielleicht noch erwähnen sollte: sämtliche Einnahmen der FrOSCon gehen nicht etwa in die Tasche eines Messeveranstalters, sondern 1:1 in den Event selbst. Wir verwenden die Mittel auch nicht, um defizitäre andere Sachen zu unterstützen oder organisieren die FrOSCon als fundraising event.
Außerdem zahlen wir keinem der Beteiligten (bis auf Dienstleister, bei denen wir aber auch nur auf die nötigsten Dinge – wie bspw. den Veranstaltungsmeister für die Abnahme – zurückgreifen) Honorar; wir haben keine festangestellten Mitarbeiter und arbeiten wie gerade schon beschrieben ehrenamtlich an der Veranstaltung.
Dadurch und durch die Tatsache, dass wir auch eine Konferenz mit geringen Finanzmitteln irgendwie organisiert bekämen erreichen wir, dass wir den Event so angenehm wie derzeit veranstalten können.
Dabei achten wir besonders darauf, dass die Mittel für Menschen verwendet werden, die aktiv zur FrOSCon beitragen; nicht umsonst haben wir es jedes Jahr geschafft, sämtliche Aussteller, Helfer und Redner kostenfrei zu verpflegen.
Daher ist der Erwerb des Business- oder besser Unterstützertickets ein weiterer Schritt in die Richtung einer verbesserten FrOSCon. Mit diesen Finanzmitteln können wir nämlich dann für die kommenden Jahre überlegen, welches “Goodie” es geben wird.
Wer das Geld lieber zweckgebunden eingesetzt weiß, bspw. für Freibier o.ä., dem ist jedoch mit einem Individualsponsoring eher gedient.
Wir erwarten aber nicht, dass jeder kommerzielle Besucher die FrOSCon mit 100 EUR unterstützt; vielleicht ist der Begriff Business-Ticket hier auch im Vorfeld vom Wording her missverständlich gewesen.
Hoffe, das klärt ein bisschen auf
Christian
elKritico
26. August 2009wieviele mögliche Business-Kunden ca anwesend?
stimme im Prinzip zwar zu, aber das rumgejammer nervt.
so wie das Ticket-System gehandgabt wird hat der 100€-Zahler eher das Gefühl dass der Ehrliche der Dumme ist. Spenden, online und vor Ort, wären sicher passender
Christian Louis
26. August 2009Wie gesagt, der “Ehrliche” ist hier nicht das Thema, da wir nicht verlangen, dass Business-Kunden Business-Tarife zahlen.
An den Spenden arbeiten wie gerade, ich hoffe, dass wir in der Lage sind, Online-Spenden innerhalb der nächsten Wochen via PayPal auf der Website anzunehmen.
Wir haben leider keine Idee, wie viele Teilnehmer / Besucher tatsächlich im konkreten Firmenauftrag anwesend waren; an diesen demographischen Daten arbeiten wir aber fürs nächste Jahr.