SVG und seine Ideen im RIA-Space

Erinnert sich noch jemand an SVG, jenes XML Format des W3C um skalierbare Vektorgrafiken zu beschreiben? Natürlich, noch ist es nicht ganz vergessen und einige Browser unterstützen dieses Format auch. Jedoch, man sieht es selten in der freien Wildbahn und die Einsätze sind nicht gerade zahlreich wenn man mal von etwas exotischeren Programmen wie Inkscape absieht.

Dabei ist die Idee hinter SVG nicht schlecht, sie ist sogar so gut, dass sie heute im RIA-Bereich eine maßgebliche Rolle spielt, wenn auch nicht in der Gestalt von SVG, sondern in moderneren, teilweise proprietären Formaten. Die Idee hinter SVG ist eine Grafik so zu beschreiben, dass die Beschreibung (mittels XML) für Maschinen wie für Menschen gleichermaßen lesbar ist. Hinzu kommt, dass man die Grafiken verändern kann, indem man zur Laufzeit Änderungen an der Beschreibung vornimmt.

Ich will jetzt gar nicht drauf eingehen warum SVG nicht der Flashnachfolger geworden ist, wie es sich die Open Standards Fraktion erhoffte. Vielmehr ist es interessant, dass die Grundidee der deklarativen Grafikbeschreibung im RIA Umfeld mittlerweile eine große Rolle spielt.

Für Flex gibt es mit dem Degrafaprojekt einen Ansatz, Grafiken deklarativ zu beschreiben. Mit der Creative Suite 4 und im Vorgriff auf das kommende Flex 4 (Codename Gumbo) setzt Adobe aber selbst ein deklaratives Grafikformat ein: FXG. FXG erlaubt den leichten Austausch von Grafiken in Textform. Flex 4 kann FXG-Elemente zur Laufzeit transformieren und bietet so einen neuen völlig neuen Ansatz zur Echtzeit-Grafikmanipulation und Animation. Die Ähnlichkeit von SVG und FXG reicht über XML als gemeinsame Basis hinaus – die Gründe warum sich Adobe jedoch für eine eigene Sprache entschieden hat, werden hier dargelegt.

Auch Microsofts Silverlight kann mittels XAML auch Grafiken beschreiben dazu kann ich jedoch mangels Erfahrung nicht mehr schreiben – auch hier ist wieder XML der gemeinsame Nenner.

Selbst der Nachzügler im RIA-Bereich Suns JavaFX verfügt über eine Methode um grafische Assets zu beschreiben und somit austauschbar zu machen. JavaFX nennt diese Dateien FXD (reine Beschreibung eines Vektorassets) oder auch FXZ (komplettes Archiv von grafischen Assets). Die JavaFX Production Suite erlaubt es mittels Plugins Photoshop- und Illustrator-Dateien in FXD/FXZ Dateien zu exportieren und direkt in JavaFX zu einzusetzen und zu verändern. Analog des Sprachdesigns von JavaFX sind die die FXD Dateien kein XML sondern eher etwas JSON ähnliches, Sun spricht von objektliteral und entspricht JavaFX Script selbst. Ob sich der Alleingang von Sun auf XML zu verzichten durchsetzt wird die Zukunft zeigen. Der Vorteil vom XML ist die Verbreitung von Tools und Know-how darüber, bei JavaFX muss von Neuem begonnen werden.

Es ist interessant zu sehen, wie sich die relativ neue Technologie der Rich Internet Applications dem Thema der deklarativen Grafikbeschreibung erneut annimmt. Auf der anderen Seite ist es bedauerlich, dass dem offenen Standard SVG keine rechte Chance gegeben wurde, seine Stärken in dem neuen Kontext auszuspielen.

  1. March 3rd, 2009 at 23:31 | #1

    Naja, ganz in Vergessenheit kann man schon nicht sagen. Die gängigen Grafikbearbeitungs-Tools unterstützen es seit Jahren und z.B. auf Wikipedia sind viele grafische Inhalte in SVG abgelegt (zugegebenermaßen werden die dann oft erstmal als PNG dargestellt, man kann aber die SVG-Daten auch bekommen).

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