Da ich aktuell in einer intensiven Entwicklungsphase mit einer Vielzahl unterschiedlicher Technologien bin, erlaube ich mir nach einiger Zeit wieder einen Artikel aus der Praxis des Software-Engineering zu schreiben. Habe ich bereits vor zwei Jahren und gerade jüngst erst einen größeren IDE-Vergleich angestellt, so ist dieser Artikel nun das Fazit aus einem langen Ringen um die perfekte IDE.
Es geht kurz gesagt, um meine Abkehr von der Eclipse IDE, die ich schon seit der 2er Version sehr gerne benutzt habe. Über die Vorteile von Eclipse, mit den vielen Plugins und den verschiedenen Distributionen muss ich nicht mehr viel schreiben: sie sind Legende. Meine letzten Installationen waren:
- Springsource Tools (STS) für Groovy & Grails
- Aptana für Webentwicklung
- Titanium Studio für mobile Entwicklung mit Appcelerator
- STS mit den Flash Development Tools (FTD)
- Adobe Flash Builder
Klar, man kann die verschiedenen Version auch in eine Installation packen. Mein Hauptspeicher wäre mit 12 GB auch groß genug für ein solches IDE-Monster. Ich habe mich an die Linux Devise gehalten – für jede Aufgabe ein eigenes Tool. Oft genug waren auch zwei Instanzen offen.
Ich habe michjüngst durch ein Portal-Projekt und eine damit verbundene Empfehlung einer Software-Firma, die im Enterprise-Bereich beheimatet ist, verleiten lassen, mich ein wenig intensiver mit IntelliJ IDEA 10.5 zu beschäftigen. Nach zwei Tagen Arbeit war die Lizenz gekauft und seither komme ich von Tag zu Tag besser in die Konzepte dieser IDE hinein. Das reicht vom Erlernen der Shortcuts, über das Erforschen der Tools und der Plugins, bis zum Optimieren der ganzen Grund- und Projekteinstellungen.
Mittlerweile habe ich vier Projekt, teilweise parallel in Arbeit und ich setze sie alle ausnahmslos mit IntelliJ IDEA um. Und ich denke ich werde den Weg zurück zu Eclipse nicht mehr gehen. Noch nie in 13 Jahren als Consultant und Entwickler ist die Toolunterstützung so perfekt gewesen – völlig unabhängig davon welche Technologie zum Einsatz gekommen ist:
- Die Groovy- und Grails-Entwicklung ist ein Traum. Codevervollständigung und Debuggen in mindestens gleichwertiger Weise wie bei STS.
- Ich habe noch eine so perfekte Vervollständigung im Bereich HTML und CSS gehabt.
- Die Javascript-Unterstützung ist wohl die beste, die momentan im IDE Markt zu haben ist – auch für Projekte, die nicht im Browser laufen sollen (Appcelerator Titanium, nodeJS etc.)
- Der Java-Support ist outstanding, nicht umsonst hält sich die IDE als einzige kostenpflichtige Alternative zu Eclipse seit Jahren im Enterprise-Segment.
- Flex und AS3 ist deutlich besser als im Flash Builder realisiert und übertrifft in Teilbereichen die FDT.
- Die Arbeit mit PHP und verschiedenen Frameworks geht über das hinaus, was das Zend Studio anbietet, wenn man die Verzahnung mit den anderen Zend Technologien beiseite lässt.
Kurzum: Ich bin begeistert. Das geht sogar soweit, dass ich Appcelerator Titanium nicht in Titanium Studio entwickele sondern in IntelliJ IDEA. Auf zwei Dritteln des Bildschirms läuft IDEA auf einem Drittel Titanium Studio (vgl. Screenshot), das ich aber nur nutze, um den Launcher und Packager für die mobilen Simulatoren und Devices zu nutzen, sowie die Debug-Ausgaben anzuzeigen:

Leider hat Appcelerator die Entwicklung des ursprünglichen Tools eingestellt und geht nur noch den Weg über das Studio, wenn man in einem Simulator testen oder auf ein iPhone / Android deployen will.
Die Geschwindigkeit, um die meine Entwicklung gestiegen ist und der Komfort, den ich beim Schreiben des Quellcode erfahre ist das Geld für die Lizenz alle Mal wert. Für Indie-Developer Lizenz fallen rund € 200 an, ein Seat in einer Firma liegt etwa beim Zweieinhalbfachen. Ich empfehle jedem Softwarentwickler, der eine der genannten Technologie einsetzt, sich IntelliJ IDEA zumindest ein paar Tage anzusehen. Manche Konzepte sind etwas ungewöhnlich, aber es lohnt sich, sich einzuarbeiten. Es ist eine gute Investition von Zeit und Geld.
Ein kleiner Wermutstropfen zum Schluss. Mir persönlich gefällt das SWT basierte GUI von Eclipse besser als die Swing GUI von IntelliJ. Kompensiert wird das jedoch, dass sich IntelliJ mindestens dreimal so schnell und agil anfühlt wie Eclipse.




4 Comments
Ingmar Drewing
18. September 2011Klingt gut – da ich momentan auch nach einer mehrheitsfähigen IDE suche, werde ich das auf jeden Fall mal testen :)
Reto Kiefer
19. September 2011Den Support habe ich vergessen zu erwähnen. Momentan ist es noch etwas schwierig alle möglichen Projekte aufzusetzen. Assistenten für PHP-, JavaScript- oder Webprojekte kommen erst mit der 11er Version gegen Ende des Jahres. Also am Samstagabend gegen 21 Uhr eine Mail geschrieben: In meinem JavaScript-Projekt sah ich keine Unterordner. Keine zehn Minuten später hatte ich eine Antwort mit Lösungsvorschlägen, die sich ohne weiteres umsetzen ließen. Man muss in seinen Projekteinstellungen das Projektverzeichnis als Modul hinzufügen, dann klappt es. Aber wie gesagt alles Dinge, die mit der 11er Version verschwinden werden, wie man schon jetzt an PhpStorm oder WebStorm sehr schön sehen kann. Das sind die kleinen Geschwister von IntelliJ, die jeweils statische oder dynamische Web-Projekte zum Schwerpunkt haben – da gibt es dann auch die Assistenten.
Reto M. Kiefer Consulting » IDE Shootout 2011: Eclipse vs. Netbeans vs. IntelliJ Idea
20. Oktober 2011[...] Mittlerweile habe ich für mich die Suche nach der perfekten IDE abgeschlossen, wie ich in diesem Artikel [...]
Sven Herschel
3. November 2011Kann einfach nur 100%ig zustimmen. Danke für diesen Artikel. Ich habe eine ganze Weile mit mir gerungen, ob IntelliJ sein Geld wert ist und kann nur zusammenfassen: ja. Aber zum Glück gibt’s eine Testversion, so dass sich jeder selbst ein Bild machen kann.